Wie gelingt es, in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben, Konflikte anzusprechen und dennoch respektvoll miteinander im Gespräch zu bleiben? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler der Abendrealschule Rheine in zwei Workshops, die die Volkshochschule Rheine mit ihrer Referentin Cordula Engels auf Anfrage der Schule entwickelt und durchgeführt hat. Insgesamt nahmen 24 Schülerinnen und Schüler teil. Beim ersten Termin waren 21 Teilnehmende dabei, den zweiten Workshop besuchten 15 Schülerinnen und Schüler. Viele nutzten beide Termine, um das Thema zu vertiefen.
Die Teilnehmenden der Klasse 2c verbindet ein gemeinsames Ziel: Sie streben weitere Bildungsabschlüsse an, für viele ist der Realschulabschluss ein wichtiger nächster Schritt. Die meisten von ihnen haben Deutsch als Fremdsprache erlernt und stehen parallel in einem Arbeitsverhältnis – häufig in Teilzeit oder als Minijob.
Im Mittelpunkt der Workshops stand die bewusste Gestaltung von Sprache im Alltag. Wie stelle ich mich vor? Wie nehme ich Blickkontakt auf? Wie gelingt ein klarer erster Kontakt? Anhand konkreter Beispiele aus dem beruflichen und privaten Umfeld arbeiteten die Teilnehmenden an ihren eigenen Formulierungen.
Ein besonderer Fokus lag auf der Wirkung von Sprache: So wurde unter anderem das Modalverb „müssen“ in seiner Bedeutung und Wirkung betrachtet – zwischen äußerem Druck, innerem Erleben und dem Spielraum für eigene Entscheidungen. In praktischen Übungen entwickelten die Teilnehmenden alternative Formulierungen und neue sprachliche Perspektiven.
Die Grundlage der Workshops bildete das Sprach- und Kommunikationskonzept Lingva Eterna, nach dem Cordula Engels als Trainerin und Lehrdozentin arbeitet. Das Konzept wurde Mitte der 1990er-Jahre von Mechthild von Scheurl-Defersdorf begründet und in den folgenden Jahren gemeinsam mit Dr. Theodor von Stockert weiterentwickelt. Ein zentrales Element ist das Kommunikationsmodell mit fünf aufeinanderfolgenden Schritten. Es unterstützt dabei, Anliegen klar zu formulieren, Fragen zu stellen, Informationen auszutauschen und Gespräche verbindlich zu führen. Die strukturierte Abfolge erleichtert eine verständliche und zugleich wertschätzende Kommunikation und hilft, Missverständnisse zu vermeiden.
Auch der Unterschied zwischen einem Feedbackgespräch und einem Kritikgespräch wurde beleuchtet. Ziel war es, mehr Sicherheit im Umgang mit herausfordernden Gesprächssituationen zu gewinnen.
Die Inhalte der Workshops sind für die Teilnehmenden nicht nur im schulischen Kontext relevant. Sie bieten zugleich eine wichtige Grundlage für Bewerbungen sowie für eine klare und wertschätzende Kommunikation im beruflichen Alltag.
Darüber hinaus zeigten die Rückmeldungen aus den Workshops, dass bereits kleine Veränderungen in der Sprache eine spürbare Wirkung entfalten können. Viele Teilnehmende berichteten, dass sie sich durch bewusstere Formulierungen sicherer fühlen und Gespräche klarer sowie ruhiger verlaufen. Besonders hilfreich erlebt wurde dabei die Möglichkeit, eigene Sprachmuster zu erkennen und neue Ausdrucksweisen direkt auszuprobieren. Auch die strukturierte Herangehensweise im Kommunikationsmodell wurde als alltagsnah und gut anwendbar beschrieben. Begleitet wurden beide Workshops jeweils von einer Lehrkraft der Abendrealschule (Frau Bumbar und Frau Brömmler).
Ein besonderer Dank gilt der Stadtsparkasse Rheine, durch deren finanzielle Förderung die Durchführung der Workshops ermöglicht wurde.
